„Stealth“, das ist die Tarnkappentechnik, das ist die Möglichkeit, für den Feind unsichtbar zu werden. Die eigene Ortung erschweren, eigene Emissionen zu unterdrücken, in Heimlichkeit zu leben, seine Tarneigenschaften auszunutzen, das ist nicht nur tägliche Praxis im Militärischen – das könnte in Zukunft auch die einzige Möglichkeit sein, als Obdachloser in Deutschland zu überleben. Seit Mitte der 1990-er Jahre wächst der Druck auf Obdachlose. Neue „Leitlinien für den Umgang mit Nichtsesshaften“ wurde erarbeitet: Sie werden schon heute an Orte verbannt, wo sie niemand sehen soll. Deutsche Städte werden gesäubert, um im internationalen Städtewettbewerb konkurrenzfähig zu sein. Etwa ein Drittel der Bundesbürger wünscht keine bettelnden Obdachlosen in Fußgängerzonen. Auch Übergriffe auf Obdachlose stellen keine Einzelfälle dar.

Das von dem Wiesbadener Architekturbüro Christ.Christ entwickelte, metallische „Stealth Notwohnhaus“ ist ein künstlerisches Projekt. Als „Diskussionsmaschine“ in Zeiten einer grassierenden Weltwirtschaftskrise sieht es aus wie eine Waffe – stellt aber einen Beitrag zum Dialog dar. Es soll Obdachlosen Schutz geben. Es ist ein Rückzugsraum für ihre fragile Existenz. Es soll körperliche Unversehrtheit gewährleisten – in Zeiten, die härter werden.

Fotograf/in

Thomas Herrmann

Location

Café Kleidsam

Jahr

2015

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